Kindergummistiefel in Pfüze

Die Waldorfpädagogik – eine moderne, lebendige Erziehungskunst

Unserer Arbeit liegt die Menschenkunde Rudolf Steiners zugrunde. Die besagt: „Jeder Mensch kommt mit seiner eigenen unverwechselbaren Individualität ins Leben.“
Als Einheit von Leib, Seele und Geist macht der Mensch in den verschiedenen Abschnitten seines Lebens bestimmte Erfahrungen und Entwicklungen durch. Im ersten Lebensjahrsiebt besteht die Hauptaufgabe darin, die eigene Leiblichkeit zu begreifen, sich mit seinem Körper vertraut zu machen, ihn zu stärken und gesund auszubilden.

In der Krippe (9 Monate – 3 Jahre)

In den ersten drei Lebensjahren zum Beispiel, mit denen wir es in der Krippe zu tun haben, erlernt das Kind die grundlegenden Fähigkeiten des Menschen: sich aufrichten, das Gleichgewicht finden, gehen, sprechen, selbständiges denken. Es lernt seinen Körper kontrolliert zu gebrauchen, sich frei zu bewegen und soziale Kontakte aufzunehmen.
Das Kind kann sich langsam als Eigenwesen wahrnehmen, sich der Außenwelt gegenüberstellen und sich im Umgang mit anderen Menschen
üben. Es lernt vor allem durch Nachahmung. Dabei ist es noch ganz offen seiner Umgebung gegenüber. Alles was es an Sinnesreizen, Gefühlen und Atmosphäre umgibt, dringt ungefiltert in das Kind ein. Wichtig für unsere pädagogische Arbeit ist, dass wir eine Umgebung schaffen, die das Kind in seiner gesunden Sinnesentwicklung unterstützt.
Vor allem sollen die Sinne vor Überreizung geschützt werden, damit sie sich natürlich und gesund entwickeln können, z.B. durch:

 liebevoll und überschaubar gestaltete Räume
 zarte Farbgebung
 einfache Spielsachen aus verschiedensten Naturmaterialien
 mild gewürzte Speisen
 kein Einsatz von auditiven Medien


Unsere täglichen Mahlzeiten bereiten wir zum Beispiel aus biologischen Lebensmitteln selbst zu. Sie bestehen hauptsächlich aus frischem Obst und Gemüse und verschiedenen Getreidegerichten. Wir reichen mehrere Mahlzeiten über den Tag verteilt und unser Speiseplan wiederholt sich dabei wöchentlich, was den Bedürfnissen des Kindes entgegenkommt.
Ein rhythmischer, gleichbleibender Tagesablauf und feste Bezugspersonen geben den Kindern generell Sicherheit, Geborgenheit und Vertrauen. Die Bezugspersonen pflegen einen achtsamen, respektvollen Umgang mit dem Kind. Dabei findet die intensivste Zuwendung in den Pflegesituationen statt z. B. beim Wickeln.
In ihrer Bewegungsentwicklung und ihrem Spielverhalten werden die Kinder möglichst frei begleitet. Jedes soll sich in Ruhe, auf seine eigene Art
und Weise und in seinem eigenen Tempo mit sich selbst und der Welt vertraut machen können. Der Entfaltungsspielraum des Kindes soll möglichst wenig durch vorgegebene Beschäftigungen eingeschränkt werden.
Das freie Spiel der Kinder wird angeregt durch die Gestaltung der Umgebung, die Ausstattung der Räume, das vielfältige Spiel- und Bewegungsmaterial. Dadurch entwickeln die Kinder Kompetenz im Sozialverhalten, erfahren eine Förderung ihrer Bewegungsentwicklung und
damit auch ihres Sprachvermögens, da beide eng miteinander verknüpft sind. Lieder, Reime, Fingerspiele, kleine Geschichten und direkte persönliche Ansprache unterstützen die Entwicklung der Sprache zusätzlich.
Die zweite Freispielzeit verbringen wir täglich draußen im Garten oder beim Spaziergang. Die Kinder begegnen der Natur bei jedem Wetter, stärken ihre Lebens- und Abwehrkräfte und auch Bewegungsentwicklung und Sozialverhalten werden wiederum gefördert.

Eingewöhnungszeit
Es wird großen Wert auf die Zeit der Eingewöhnung des Kindes in die Krippe gelegt, damit das Kind sich behutsam und angstfrei von den Eltern lösen und in der Krippe heimisch werden kann. Deshalb gewöhnen wir maximal 3 Kinder gleichzeitig ein. In den ersten drei Tagen begleitet eine Bezugsperson das Kind und nimmt einige Stunden mit dem Kind zusammen am Tagesgeschehen teil. Erst am vierten Tag findet ein erster Trennungsversuch statt. Je nach Reaktion des Kindes besprechen Eltern und Erzieher das weitere Vorgehen. Die Trennungszeit wird immer mehr erweitert, wobei eine Bezugsperson aber jederzeit telefonisch erreichbar sein muss. Nach ca. drei bis vier Wochen soll die Eingewöhnungsphase spätestens beendet sein. Die Eingewöhnung gilt als abgeschlossen, wenn das Kind die Erzieherin als sichere Basis akzeptiert, sich trösten lässt, ins Spiel findet und gerne mit isst.

Tagesablauf
Ab 7.15 Uhr Ankommen und Freispielzeit
9.00 Uhr Frühstück, danach Fortsetzung des Freispiels und Pflege
10.15 Uhr Morgenkreis, danach Spielen im Garten/ Spaziergang
11.30 Uhr Mittagessen, danach Waschen, Zähneputzen, Wickeln
12.30 – 14.30 Uhr Mittagsschlaf, danach kleiner Imbiss, Freispiel drinnen oder draußen
Bis 16.30 Uhr Freispiel, drinnen oder draußen

Im Kindergarten (ab 3 – ca. 6 Jahre)

Leben lernen, das heißt für uns Nachahmung

Erfahrungsgemäß werden die Kinder mit etwa 3 1⁄2 Jahren kindergartenreif, das heißt, sie sind körperlich und seelisch in der Lage, sich in einer größeren altersgemischten Gruppe zurecht zu finden und wohl zu fühlen. Das Kind hat einen nicht nachlassenden Tätigkeitsdrang, grenzenlose Offenheit und Hingabefähigkeit an alles in seiner Umgebung. Es hat ein Ur-Vertrauen zur Welt und zu seinen eigenen Kräften. Das leibliche, seelische und geistige Zusammenspiel der Kräfte ist ein äußerst störanfälliger Prozess, der immer wieder in ein gesundes Gleichgewicht gebracht werden muss.
Daraus erwächst dem Erzieher die Aufgabe, dem Kind Orientierung zu geben, eine entwicklungsfördernde Umgebung zu gestalten, die Anreize bietet für die notwendigen Erfahrungen, die soziale Interaktion fördert und zugleich einen Schutzraum für die ungestörte Entwicklung schafft . Mit diesem Anliegen stimmt die moderne Salutogeneseforschung in allen Bereichen mit der Waldorfpädagogik überein.
Zusammenfassend gilt für die pädagogische Umgebung des Kindes: Ist diese verlässlich geordnet, rhythmisch strukturiert, seelisch gefestigt und geistig authentisch, dann gibt sie dem Kind den Halt, den es braucht, um sich im Spiel, seinem „Beruf “, frei entfalten zu können.
Zudem ist viel Bewegungsfreiraum nötig, das Spielmaterial ist einfach und vielfältig: Körbe mit Tannenzapfen, Kastanien, Muscheln, Holz und Steinen, in der Natur gesammelt, dazu Tücher, Bänder, einfache Puppen, gestrickte Tiere – nichts ist fertig, alles kann sich verändern von einer Spielsituation zur anderen: Ist ein Stück Holz gerade noch ein Bügeleisen, kann es sich nach Bedarf zum Telefon verwandeln. So werden die Phantasiekräfte entwickelt und gepflegt, die Grundlage kreativen Denkens sind. Spielkräfte der ersten Kindheit verwandeln sich zu freien schöpferischen Kräften.